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Die Mütter des Grundgesetzes

 

Besuchen Sie unsere Ausstellung vom 11.01.2019 bis zum 18.01.2019 im Haus der Bildung im 1. Stock.Die Vernissage findet am 11.01.2019 um 17 Uhr statt, kommen Sie vorbei.

 

Auf 17 Plakaten werden Lebensbilder von Frieda Nadig, Elisabeth Selbert, Helene Weber und Helene Wessel gezeigt  - den vier weiblichen Mitgliedern des Parlamentarischen Rates. Sie erkämpften mit Art. 3, Abs. 2 -  "Männer und Frauen sind gleichberechtigt." - die Verankerung der Gleichberechtigung im Grundgesetz. Formuliert wurde damit im Jahr 1949 ein Programm, nicht eine Aussage über die Realität. Seiner Verankerung im Grundgesetz gingen heftige Diskussionen voraus. Ohne das Engagement der vier Frauen im Parlamentarischen Rat und der vielen Frauen, die sich in der Öffentlichkeit für die volle Gleichberechtigung stark machten, wäre es zu dieser Formulierung nicht gekommen.

Hier ein kleiner Vorgeschmack -


Frieda Nadig – die Umsetzerin

„Bei der Verkündung des Grundgesetzes und des in ihm enthaltenen Art. 3 ging eine freudige Bewegung durch die Reihen der Frauen.“ Frieda Nadig, Bundestagsrede am 27. 11. 1952

Frieda Nadig (SPD) gehörte dem wichtigen Grundsatz-ausschuss des Parlamentarischen Rates an. Von 1949 bis 1961 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages.Im Grundsatzausschuss setzte sich Frieda Nadig ener-gisch für die Aufnahme des Gleichberechtigungsarti-kels ein. Überdies kämpfte sie für eine gesetzlich verankerte Lohn gleichheit für Männer und Frauen, hier stand sie zusammen mit Helene Weber (CDU), die sich gleichfalls vehement für die Lohngleichheit einsetzte. Beide Frauen konnten sich in diesem Punkt jedoch nicht gegen ihre männlichen Parteikollegen durchsetzen.


Elisabeth Selbert – die Texterin

"Der klare Satz:, Männer und Frauen sind gleichberechtigt`ist so eindeutig, dass wir ihn nicht negativ zu umschreiben brauchen" Elisabeth Selbert 1948 im Parlamentarischen Rat

Elisabeth Selbert (SPD) stammte aus Kassel und war Juristin. Ihr besonderes Anliegen war die Schaffung eines unabhängigen Rechtswesens, vor allem eines unabhän gigen Richteramtes. In diesem Zusammen-hang forderte sie – erfolgreich – ein oberstes Gericht zur Normenkon trolle aller politischen Gremien, das heutige Bundesverfassungsgericht. Den größten Einfluss hatte Elisabeth Selbert jedoch auf anderem Gebiet: Sie formulierte den Gleichheitsgrundsatz und setzte sich in zähen Verhandlungen für die Aufnahme dieses Grundsatzes in die Grundrechtsartikel ein.


Helene Weber – die Netzwerkerin

"Die Frau muss in der Politik stehen und muss eine politische Verantwortung haben." Helene Weber, Ansprache anlässlich des ersten Jahrestages des Kriegsendes am 1.9.1946 in Stuttgart.

Helene Weber (CDU) war neben Paul Löbe und Wilhelm Heile eines von drei Mitgliedern des Parlamentarischen Rates, das bereits der Verfassunggebenden Nationalversammlung der Weimarer Republik angehört hatte. Helene Weber hatte Romanistik und Volkswirtschaftslehre studiert, als Lehrerin und Leiterin der sozialen Frauenschule gearbeitet, bevor sie Abgeordnete der Preußischen Landtage und des Reichstags wurde. Die erste Ministerialrätin der Weimarer Republik wurde von den Nationalsozialisten im Juni 1933 wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ aus dem Ministe rialdienst entlassen.

 

Helene Wessel – die Unbequeme

"Frauen müssen sich in in staatsbürgerlichen Aufgaben bewusst und freudig einmischen." Helene Wessel in: Sonnenstrahlen, 13 Jg., Januar 1930, S.52

Helene Wessel (Zentrumspartei) vertrat zusammen mit Johannes Brockmann im Parlamentarischen Rat die Deutsche Zentrumspartei. Für SPD und CDU, die mit je 27 Abgeordneten vertreten waren, waren die kleinen Parteien mit jeweils zwei Mandatsträgern begehrte Koalitionspartner.
Hauptthema Helene Wessels in den Beratungen des Parlamentarischen Rates war die Diskussion um den Normenkomplex von Ehe und Familie. Zentrales Anliegen war ihr die Fest-schreibung des Schutzes für Ehe und Familie im Grundgesetz. Dieses Anliegen verfocht sie ganz besonders angesichts der Realität der Nachkriegszeit: Gerade die steigenden Scheidungsraten, die Vielzahl lediger Mütter und „unvoll-ständiger Familien“ (auch als Folge des Krieges) ließen sie einen besonderen Schutz des Staates für Ehe und Familien fordern.

 

 

 

Melanie Grocki - Zeichnungen

Man muss sich beeilen, wenn man etwas sehen will, alles verschwindet. (Paul Cezanne)

Aquarellfarbe, Bleistift, Tinte, Buntstift und Kugelschreiber auf Papier – dies sind die Materialien aus denen Melanie Grocki ihre faszinierenden Bildkompositionen schafft.
Ihre Zeichnungen assoziieren eine tiefe Räumlichkeit. Farbfelder oder auch eng nebeneinander verlaufende Linien verengen sich zu Kraftzentren. In einigen Bildern scheint eine offene, weitmaschige Netzstruktur das Dargestellte im freien Raum zu halten bzw. erst hervorzubringen. Strenge Geometrie bestimmt bei manchen Bildern den Aufbau und lässt an naturwissenschaftliche Untersuchungen denken - und doch durchbricht die Künstlerin immer wieder die rationale Ordnung durch intuitive Eingriffe, die in eine neue Richtung führen.  
 
Melanie Grocki, Jahrgang 1983, studierte ab 2003 an der Akademie der bildenden Künste Nürnberg in der Klasse für Malerei, freie Grafik und Objektkunst bei Rolf-Gunter Dienst, und von 2006 bis 2009 freie Kunst in der Klasse von Gerhard Merz an der Kunstakademie München. Jetzt lebt sie in Stuttgart als freie Künstlerin und betreut verschiedene Projekte der „Linienscharen“, einer Plattform für zeitgenössische Zeichnung.

Die Ausstellung ist vom 18. Februar bis zum 12. Juli im zweiten Stock im Haus der Bildung zu sehen.
Die Vernissage findet am 15. Februar um 18:30 Uhr statt.